App-strakte Kunst: Die digitale Leinwand

 
iPad-Künstler David Newman

iPad-Künstler David Newman

Rück rüber, Picasso, die Nerds kommen! Raffinierte Mal-Apps für iPad und iPhone machen Laien zu van Goghs. Mobile Next stellt bekannte Künstler und die besten Tools vor.

Es beginnt mit einem WOZ. Dreimal untereinander: WOZ, WOZ, WOZ. Sofort verschwinden die Buchstaben unter einem graublauen Gekritzel, gefolgt von einer orangefarbenen Linie, die ein Rechteck wird. Darin ein weißer Punkt, dann ein roter Fleck. David Newman malt auf seinem iPad. Das Liniengewirr in Graublau verdichtet sich zum Hintergrund, das Rechteck verwandelt sich in einen Laptop, der weiße Punkt wird zum Apfel-Logo. Und der weinrote Fleck? Der entpuppt sich als Steve Wozniak, „The Woz“, der Mitbegründer von Apple.

Der iPad-Porträtist
Früher malte er Verbrecher. Viele Jahre arbeitete David Newman als Gerichtszeichner in San Francisco – unter anderem im Prozess gegen Dan White, den Ex-Stadtrat von San Francisco, der Ende der 70er-Jahre den homosexuellen Bürgerrechtler Harvey Milk und Bürgermeister George Moscone erschoss. Doch das ist Geschichte. Heute widmet sich Newman den Menschen im Silicon Valley, den Mitarbeitern führender Hightech-Firmen, den großen Erfindern unserer Zeit. „Das sind die Thomas Edisons, Henry Fords und Marie Curies von heute. Ihre Gemälde sollten in Galerien und Museen hängen“, findet Newman. „Ich porträtiere die Personen hinter der Technik, umgeben von ihren Werkzeugen, ihrer Hard- und Software, Informations- und Kommunikationstechnik.

Ich hoffe, dass in zehn Jahren die Kreativität des heutigen Silicon Valley in meinen Porträts weiterlebt – auf eine Weise, wie es die Fotografie nicht kann. Dann wird das iPad für uns längst das Relikt aus einer anderen Zeit und alle gehypten Tools und Gadgets werden recycled sein.“ Dass er für diese Mission das iPad nutzt, liegt für David Newman auf der Hand. Womit könne er den Zeitgeist besser einfangen als mit dem Produkt, das den Zeitgeist gerade wie kein zweites prägt? Daneben gibt es ganz praktische Gründe: „Das iPad ist die perfekte Verbindung von Mobilität und Computergrafik. Ich kann damit überall malen, sogar nachts, verschiedene Versionen speichern, diese online teilen und Fehler gleich mit dem ,Undo‘-Feature korrigieren.“

So innovativ das iPad als digitale Leinwand ist, so traditionell bleibt die Kunst, die darauf entsteht. Und nichts anderes will Newman, die Avantgarde liegt ihm fern: „Ich verstehe mich nicht als Fürsprecher der Gegenwartskunst. Ich male klassische Porträts von Erneuerern auf einem neuen Medium – und konzentriere mich darauf, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Mit den modernsten Mitteln, die mir zur Verfügung stehen.“

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