Wenn Bücher leben...
03.11.2011 Stephan von Voithenberg
Lesen war gestern, heute werden Romane gleich zum Multimedia-Erlebnis: Mobile Next erklärt, wie die neuen Enhanced E-Books die Art, wie wir lesen und die Autoren schreiben, verändern.
von Ingrid Lommer
Der Dokumentarfilm „Unberührbar“ läuft, und mir kriecht eine Gänsehaut den Rücken runter. In einem weiteren Video erzählt Autor Tom Knox, warum er in seinem Buch die Mitglieder eines geheimnisvollen baskischen Volksstamms grausam ermorden lässt. Gebannt blättere ich in den Originaltagebüchern dieser „Cagot“– so heißt auch der Thriller – und löse eifrig Rätsel, um weitere Bonusinhalte zu sehen …
Klingt, als hätte ich faul auf dem Sofa DVDs geguckt oder ein Videospiel gezockt, richtig? Dabei habe ich gelesen! In einem „Enhanced E-Book“. Auf der Frankfurter Buchmesse sorgten diese gerade für Furore. Vorbei die Zeit, als digitales Lesen ausschließlich schwarz-weiße Endlosseiten auf einem Reader bedeutete, zukünftige Bücher werden zum multimedialen Rundumerlebnis. Da tönen schaurige mittelalterliche Lieder aus den Boxen, die mich immer tiefer in die düstere Historie des Romans „Schandweib“ von Claudia Weiss zerren, die Handlung kann ich auf interaktiven Karten verfolgen. Und im Bestseller „The Explorer’s Code“ von Kitty Pilgrim sehe ich Hintergrund-Clips zu den Hauptpersonen des faszinierenden Wissenschafts-Thrillers. Buchstaben allein, das könnte die These zum Trend sein, reichen einfach nicht mehr jedem.
Lesen, hören, selbst entscheiden
Wie der Name schon sagt: die Enhanced E-Books bieten deutlich mehr als normale E-Books. Der reine Text des Autors wird ergänzt durch weiterführende Inhalte wie Interviews, Kartenmaterial, Glossare, Lesungen synchron zum Blättern … Auch interaktive Elemente sind möglich: Ein britisches Erfinderteam hat die Technologie Booktrack entwickelt. Damit erkennt der E-Book-Reader an der Taktzahl des Umblätterns, wie schnell der Leser liest, und spielt passend zu bestimmten Stellen Musik und Soundeffekte ab. Möwengeschrei und Wellenrauschen, während der Autor eine Hafenszene beschreibt, oder unheilvolle Hitchcock-Klänge, wenn sich ein Killer seinem Opfer nähert.
29.09.2011
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